Ninjutsu

Die Kampfkunst Ninjutsu entstand in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen im mittelalterlichen Japan. Besiegte Kämpfer mussten damals nicht selten um ihr Leben fürchten. Einige flohen daher in entlegene Regionen um fortan ein einfaches Leben zu führen. Doch selbst dort wurden die Flüchtlinge von den siegreichen Truppen noch gnadenlos verfolgt. Im Überlebenskampf gegen diesen übermächtigen Gegner blieb den Verfolgten daher nichts anderes übrig, als vollkommen neuartige Überlebensstrategien zu entwickeln. So studierten und perfektionierten sie die Überlieferungen des chinesischen Feldherren und Philosophen Sunzi und entwickelten eine ganze Reihe neuer Strategien und innovativer Technologien, die im Kern auf der geschickten Ausnutzung ihrer Situation beruhten. Diese Strategien besitzen bis heute ihre Gültigkeit und offenbaren sich in unseren praktischen Trainingsmethoden stets aufs Neue.

Ninjutsu umfasst harte und weiche, unbewaffnete und bewaffnete sowie traditionelle und moderne Techniken und bietet so ein praktisch unerschöpfliches Repertoire an Handlungsmöglichkeiten. Aufgrund ihrer charakteristischen Entstehungsgeschichte zielt unsere Methode ausdrücklich nicht darauf ab, einen Aggressor zu besiegen oder gar auszuschalten. Oberste Priorität hat es, die eigene Gesundheit und das eigene Überleben sicherzustellen bzw. eine andere Person entsprechend zu beschützen. Dieses Ziel kann oftmals sogar besser durch Erdulden, Entkommen oder Entschärfen einer Situation erreicht werden. Die dazu notwendigen Methoden wurden nicht – wie oft üblich – von einer Einzelperson nach Gutdünken zusammengestellt sondern in lebensgefährlichen Auseinandersetzungen von unzähligen Anwendern über Hunderte von Jahren erfolgreich kollektiv entwickelt, erprobt, perfektioniert und weitergegeben. Aktueller Großmeister von insgesamt neun Stilen, die heute umgangssprachlich unter dem Begriff Ninjutsu zusammengefasst werden, ist der 1931 geborene Japaner Masaaki Hatsumi.

Herkömmliche Konzepte aus Kampfsport und Selbstverteidigung beziehen sich fast ausschließlich auf sportlichen Wettkampf oder auf Worst-Case-Szenarien in einem scheinbar rechtsfreien Raum. In der Realität begegnet uns ein Aggressor aber in einer Vielzahl von Rollen und ist keineswegs immer ein vollkommen Fremder für uns. Oft genug handelt es sich sogar um einen Bekannten, einen Kollegen oder einen Kunden. Nicht nur in diesen Situationen erweisen sich herkömmliche Konzepte schnell als Eigentor, indem sie den Anwender mit seinen begrenzten Möglichkeiten über das Ziel hinausschießen lassen und ihn letztlich selbst einer Strafverfolgung aussetzen. In der Realität müssen körperliche Fähigkeiten, rhetorisches Geschick und psychologisches Fingerspitzengefühl optimal aufeinander abgestimmt sein um solche Situationen erfolgreich in den Griff zu bekommen. Daher schätzen insbesondere die Menschen unsere Methode, die beruflich oder privat routinemäßig mit Aggression oder Gewalt konfrontiert sind.

Die Auswirkungen eines regelmäßigen Trainings reichen weit in den Alltag der Trainierenden hinein: Neben größerer Selbstsicherheit in bedrohlichen Situationen erleben sie entspanntere Interaktionen mit Fremden, Bekannten und Freunden, positivere Gefühle gegenüber dem eigenen Körper und ein gestärktes Selbstbewusstsein. Sie erleben ihren Körper als kraftvoll, lebendig und wehrhaft. Es fällt ihnen leichter »Nein« zu sagen und anderen gegenüber gesunde Grenzen zu ziehen. Und ihre Beobachtungsgabe, ihr Urteilsvermögen und ihr Vertrauen in die eigene Intuition verbessert sich. Gerade wegen der hohen Effizienz unserer Methode wirken diese Fähigkeiten im Sinne eines Reserveschirms: Ausgestattet mit diesen Möglichkeiten verändern sich Ausstrahlung und Wahrnehmung derart, dass davon im Idealfall gar kein Gebrauch gemacht werden muss. Darin bewahrheitet sich die Grundaussage des chinesischen Feldherren und Philosophen Sunzi, nach der Kampfkunst in ihrer höchsten Form darin besteht, einen Konflikt zu beenden ohne diese dafür anwenden zu müssen.